Teilkasko oder Vollkasko: welcher Schutz passt zu Ihrem Auto?
Die Kfz-Haftpflicht ist Pflicht – sie zahlt aber nur für Schäden, die Sie anderen zufügen. Wer auch das eigene Auto absichern will, braucht eine Kaskoversicherung. Dabei stehen zwei Varianten zur Wahl: Teilkasko und Vollkasko. Welche passt, hängt vor allem vom Wert Ihres Autos ab und davon, wie viel Risiko Sie selbst tragen können.
Hier sehen Sie, was beide Varianten leisten, wo der wichtigste Unterschied liegt und wie Sie sich entscheiden.
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Haftpflicht, Teilkasko, Vollkasko: die drei Stufen
- Kfz-Haftpflicht: gesetzlich vorgeschrieben. Sie zahlt berechtigte Ansprüche anderer nach einem Unfall und wehrt unberechtigte ab. Die Verbraucherzentrale empfiehlt eine hohe Deckungssumme, möglichst 100 Millionen Euro.
- Teilkasko: freiwillig. Sie schützt Ihr eigenes Auto vor bestimmten Gefahren von außen, etwa Diebstahl oder Unwetter.
- Vollkasko: freiwillig. Sie enthält die Teilkasko-Leistungen und zahlt zusätzlich bei selbst verschuldeten Unfällen und Vandalismus.
Teilkasko und Vollkasko werden immer zusammen mit der Haftpflicht abgeschlossen. Die Kasko zahlt die Reparaturkosten oder bei einem Totalschaden den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwerts.
Was die Teilkasko abdeckt
Laut Verbraucherzentrale sind in der Teilkasko üblicherweise versichert:
- Brand und Explosion
- Entwendung: Diebstahl, Raub, Unterschlagung und unbefugter Gebrauch
- Naturgewalten: Sturm ab Windstärke 8, Hagel, Blitzschlag und Überschwemmung, auch wenn dadurch Gegenstände auf das Auto geworfen werden
- Zusammenstoß mit Haarwild, etwa Reh oder Wildschwein – je nach Tarif auch mit anderen Tieren
- Glasbruch an der Verglasung
- Kurzschlussschäden an der Verkabelung, bei vielen Versicherern auch Marderbiss an Kabeln
Nicht versichert sind zum Beispiel Schäden an den Reifen. Der genaue Umfang steht in den Bedingungen Ihres Tarifs.
Was die Vollkasko zusätzlich abdeckt
Die Vollkasko leistet alles, was die Teilkasko leistet, und darüber hinaus bei:
- selbst verschuldeten Unfällen mit Schäden am eigenen Auto
- mut- und böswilligen Handlungen anderer, also Vandalismus
Der Unterschied auf einen Blick
| Schaden am eigenen Auto | Teilkasko | Vollkasko |
|---|---|---|
| Brand, Explosion | ja | ja |
| Diebstahl, Raub | ja | ja |
| Sturm, Hagel, Blitz, Überschwemmung | ja | ja |
| Wildunfall (Haarwild) | ja | ja |
| Glasbruch | ja | ja |
| Vandalismus | nein | ja |
| Selbst verschuldeter Unfall | nein | ja |
Drei typische Situationen aus dem Alltag
- Hagel beschädigt den Lack: ein klassischer Teilkaskofall. Er wird von Teilkasko und Vollkasko übernommen, abzüglich einer vereinbarten Selbstbeteiligung.
- Sie touchieren beim Einparken eine Säule: Den Schaden am eigenen Auto zahlt nur die Vollkasko. Mit reiner Teilkasko tragen Sie ihn selbst.
- Unbekannte zerkratzen den Lack: Das gilt als Vandalismus und ist nur in der Vollkasko versichert.
Diese Beispiele zeigen, warum die Entscheidung vor allem davon abhängt, ob Sie Schäden aus eigenen Fahrfehlern selbst bezahlen könnten.
Wichtiger Unterschied: die SF-Klasse
In der Teilkasko gibt es normalerweise keine Schadenfreiheitsklassen. Ein Teilkaskoschaden, etwa durch Glasbruch oder Hagel, führt deshalb nicht zu einer Rückstufung. In der Vollkasko dagegen gibt es eine eigene SF-Klasse, getrennt von der Haftpflicht. Lassen Sie einen selbst verschuldeten Unfall über die Vollkasko regulieren, werden Sie im Folgejahr zurückgestuft. Wie das funktioniert, erklären wir unter SF-Klasse und Schadenfreiheitsrabatt.
Wann lohnt sich Vollkasko?
Die Verbraucherzentralen empfehlen eine Vollkasko für teure Neuwagen und für Fahrzeuge, die über einen Kredit finanziert oder geleast sind. Prüfen Sie bei Leasing und Finanzierung außerdem, ob Ihr Vertrag eine Vollkasko verlangt.
Für ältere Fahrzeuge kann sich eine Teilkasko lohnen – vor allem, wenn Sie sich bei einem Totalschaden kein neues Auto leisten könnten. Ist das Auto kaum noch etwas wert, reicht oft die Haftpflicht allein.
Eine einfache Faustregel für Ihre Entscheidung: Vergleichen Sie den jährlichen Mehrbeitrag der Vollkasko mit dem Schaden, den Sie im schlimmsten Fall selbst tragen müssten. Auch eine gute SF-Klasse in der Vollkasko kann den Aufpreis spürbar senken.
Selbstbeteiligung und weitere Stellschrauben
- Selbstbeteiligung: Eine höhere Selbstbeteiligung senkt den Kaskobeitrag, bedeutet im Schadenfall aber mehr Eigenanteil. Wählen Sie nur einen Betrag, den Sie jederzeit zahlen können.
- Werkstattbindung: Wer im Schadenfall die vom Versicherer empfohlene Werkstatt nutzt, erhält in der Kasko oft günstigere Beiträge.
- Leistungsdetails: Achten Sie auf den Verzicht auf den Einwand grober Fahrlässigkeit, auf den Umfang bei Tierkollisionen (nur Haarwild oder Tiere aller Art) und auf Folgeschäden nach Marderbiss.
Wie diese Faktoren den Gesamtbeitrag beeinflussen, zeigt unser Überblick zu den Kosten der Kfz-Versicherung. Wenn Sie Ihren Kaskoschutz beim Versicherer neu aufstellen wollen, lesen Sie auch Kfz-Versicherung wechseln.
Häufige Fragen zu Teilkasko und Vollkasko
Was ist der Hauptunterschied zwischen Teilkasko und Vollkasko?
Die Vollkasko zahlt zusätzlich zu den Teilkasko-Leistungen auch Schäden am eigenen Auto nach einem selbst verschuldeten Unfall und nach Vandalismus.
Werde ich nach einem Teilkaskoschaden zurückgestuft?
In der Regel nicht. Für die Teilkasko gibt es normalerweise keine Schadenfreiheitsklassen, ein Teilkaskoschaden führt deshalb nicht zu einer Rückstufung.
Für welche Autos empfiehlt sich eine Vollkasko?
Die Verbraucherzentralen empfehlen sie für teure Neuwagen sowie für finanzierte und geleaste Fahrzeuge. Für ältere Autos kann eine Teilkasko ausreichen.
Zahlt die Teilkasko bei einem Marderbiss?
Kurzschlussschäden an der Verkabelung sind in der Teilkasko üblicherweise versichert, bei vielen Versicherern auch Kabelschäden durch Marderbisse. Ob Folgeschäden mitversichert sind, hängt vom Tarif ab.
Kann ich von Vollkasko auf Teilkasko wechseln?
Ja, das ist in der Regel zum Ende des Versicherungsjahres oder bei einem Versichererwechsel möglich. Die Details stehen in Ihrem Vertrag.
Nächster Schritt
Legen Sie fest, welche Schäden Sie selbst tragen könnten, und rechnen Sie dann Teilkasko und Vollkasko mit denselben Angaben durch. Einen ersten Überblick über die Versicherungsarten gibt auch unsere Startseite.
Kfz-Versicherung nach PLZ vergleichen
Quellen
- Verbraucherzentrale: Kfz-Versicherung – Haftpflicht, Teilkasko, Vollkasko (Leistungsumfang, Empfehlung Vollkasko für Neuwagen/finanzierte/geleaste Fahrzeuge, Deckungssumme 100 Mio. Euro, Werkstattbindung, Selbstbeteiligung)
- ADAC Autoversicherung: Vollkasko
- ADAC Autoversicherung: Teilkasko
- Allianz (Versicherer): Schadenfreiheitsklassen (getrennte SF-Klassen für Haftpflicht und Vollkasko)